Lavendelduftend nach Die

Am nächsten Morgen brechen wir auf und sind dabei so angetan von der Aussicht, dass wir unsere Fußmatte vor dem Tunnel vergessen (nur für den Fall, dass eines sie findet).

Zunächst besuchen wir das Memorial de la Résistance und sein hervorragendes Museum.

Die Plastiken berühren uns auf eine merkwürdige Art.

Besonders die Lebendigkeit dieser Frauenskulptur ist so real, dass sie fast schon eine gewisse erotische Ausstrahlung besitzt … bis ich bestürzt begreife, dass ich aus nächster Nähe eine Hinrichtung betrachte.

Ich finde dieses Museum wirklich großartig und die Gedenkstätte ergreifend, weil sie den Maquisards ein lebendiges Antlitz gibt.

Von den Informationen ganz zu schweigen.

Dann fahren wir über den Col de Rousset in Richtung Die hinunter und fragen uns immer wieder, wie man auf die Idee kommen kann, in einer so schönen Region der Welt massenhaft Menschen zu ermorden.

In Chamaloc essen wir zu Mittag, wobei der Koch eher in Ungnade fällt.

Die Aussicht von dort ist aber fantastisch und wenn ich nicht so k.o. von gestern wäre, dann könnte ich schon wieder loswandern.

Stattdessen spazieren wir durch den Ort. Überall plätschert Trinkwasser aus den Brunnen und nirgendwo steht “Kein Trinkwasser”.

Dort hinten soll irgendwo eine Lavendel-Destille sein.

Die Region ist ein wichtiges Anbaugebiet und wir erfahren, dass es drei wichtige Sorten gibt.

Ich wollte schon immer mal eine Wasserdampfdestille sehen. Es duftet unglaublich intensiv.

Die Edelstahlbehälter werden mit der Ernte eines älteren Bauern gefüllt, der sorgsam die Blüten auf dem Boden zusammenfegt.

Damit alles reinpasst wird der Inhalt mit einem Beton-gefüllten Traktorreifen gepresst.

Nach der Prozedur wird Rest herausgehoben und kompostiert,

Einen so angenehm duftenden Komposthaufen hätte ich ebenfalls gerne.

Auch das Städtchen Die ist die reinste Filmkulisse.

Wobei die Läden gerade meist geschlossen sind.

Das ist uns aber egal, denn wir brauchen ohnehin gerade nichts und bestaunen lieber die verwinkelten Strassen und Gassen.

Wir finden einen Hinweis auf ein Konzert in einem nahe gelegenen Kloster – das wäre doch was für morgen.

Dann lauschen wir einem netten Jazz-Konzert in einem Café am Straßenrand und essen einen etwas faden russischen Borschtsch dazu.

Noch ein Fläschchen Wein kaufen, auf dem Campingplatz duschen (muss auch mal wieder sein) und schnell schlafen.

2 Gedanken zu „Lavendelduftend nach Die“

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