Đắk Lắk

Am nächsten Morgen, nach dem Henkersfrühstück, geht es los. Max und Neo, unsere Fahrer von Papa Hanh Easy Rider in der Biet Thu Straße 2 in Nha Trang holen uns vom Hotel ab. Wir gehen zum Café des Amis, wo gepackt und Helme angepasst werden. Ich weiss nicht recht, was ich davon halten soll, aber egal. Ich fühle mich relativ unverwundbar.

Noch schnell tanken, dann geht es los.

Wir fahren die Route Nationale No 1 in den Norden, vorbei an der angeblichen Bauruine eines Luxusresorts.

An einem kleinen Fischerhafen machen wir eine erste Pause und wandern zwischen den Eimern und Kähnen herum, als seien wir in Holland.

Die Fischer lachen und gucken freundlich wenn man sie fotografiert, das ist der Unterschied.

Auch die Boote sehen etwas anders aus. Es riecht nach Fisch und Dieselöl.

Schade: Fisch nun das Letzte, was wir auf dem Motorrad brauchen.

Es gibt ein paar malerische Motive, aber es ist unheimlich heiss.

Der Fisch hier ist so frisch, dass man ihn vielleicht lebend essen müsste, wenn man hier Fisch essen wollte – aber ich will nicht.

Max und Neo geniessen den Tag im Schatten ihrer Pferde.

Dann geht es weiter, auf der Route Nationale No1 in den Norden.

Ein paar Minuten später, die nächste Pause – in einem wunderhübschen Café.

Wir trinken Coke und Ice Tea durcheinander und geniessen die Aussicht im Schatten.

Mit uns fährt noch ein Paar Israelis, die auch den Schatten geniessen, aber ansonsten nicht sehr gesprächig sind.

Dann verlassen wir den heimeligen Ort und knattern weiter.

Warum fühlt man sich eigentlich dauernd betrachtet. Ist ein dicker, fetter Mopedfahrer hier tatsächlich soooo etwas besonderes?

Schnell im Vorüberfahren das Ortschild fotografieren, denn ich habe keinen Schimmer wo wir sind und wohin wir eigentlich fahren … Ninh Hoa? … Nie gehört! … wir biegen ab auf die Route Nationale No 26 in den Westen.

Was ist das? Ein Kleinbus auf zwei Rädern??

Ein Schulausflug?

Ein Ulmer Spatz von Nöten?

Schließlich stoppen wir an einer Ziegelbrennerei, die angenehm nach Holzfeuer und gebranntem Ton riecht.

Es raucht aus allen Schloten. Der Geruch ist angenehm, aber sonderbar. Ich habe so etwas noch nie in meinem Leben gerochen.

Neben dem Brennofen ein Lager, wo die Rohziegel vor dem Brennen trocknen.

Max lässt sich sofort auf einer wie für ihn vorbereiteten Hängematte zum Ruhen nieder – kein Wunder ist er erschöpft, wo er doch mich ausbalancieren muss.

Die junge Frau läd die Lehmpresse mit Ton, der am anderen Ende als lange Wurst mit zentralen Luftkanälen die Maschine verlässt.

Die Wurstwird durch auf einen Rahmen gespannte Drähte in Blöcke geschnitten und von der zweiten Arbeiterin auf einen Handkarren gesetzt.

Die dritte Arbeiterin wartet bis der Karren voll ist, um die Blöcke dann draußen zum Trockenen aufzuschichten.

Ein ziemlicher Knochenjob und der anfänglich angenehme Brandgeruch beginnt mir bereits jetzt auf die Nerven zu gehen.

Die trockenen Rohlinge werden dann zu einem Meiler aufgeschichtet, sorgfältig getrennt durch schwarze Brennstoff(?)schindeln, die vermutlich im Feuerwind verglühen und Luftkanäle freisetzen, die heißes Brandgasan jeden Ziegel leiten. Eine faszinierende Technologie. Ich wundere mich, warum ich sowas noch nie gesehen habe. Wozu bin ich eigentlich in die Schule gegangen?

Zurück bleibt ein Haufen Rohstoff, aus dem die Eigenheimträume sind.

Die ganze Gegend ist voll von diesen Meilern. Offenbar gibt es hier geeigneten Lehm und Brennholz.

Dann geht es weiter bergauf, mit ein paar abenteuerlichen Überholmanövern … ich bin unverwundbar.

Diese Hügelkette sei durch den Einsatz von Agent Orange entlaubt, erklärt Max. Die größten Lichtungen im Urwald seien allerdings keine Kriegsschäden, sondern Folge aktueller Brandrodungen. Da raucht es schon.

Ein vietnamesischer Verkehrsspiegel. We make it visible?

Man sieht, was es nützt. Wobei dieser LKW vermutlich seine defekten Bremsen beim Abwärtsrasen durch eine Böschung substituierte.

Dann wird es wieder ebener. Ich habe völlig die Orientierung verloren.

Wir halten irgendwo an, um ein reisgrünes Feld zu fotografieren. Max und Neo gucken zufrieden mit der heutigen Etappe.

Stilleben mit Kühen und Reis.

Cau So? Ich finde das nicht auf der Landkarte, aber die Landschaft hier ist sehr schön. Unglaublich, dieses Reisgrün.

Und wieder geht es weiter auf dem Highway durch irgend einen Dschungel zwischen Laos und dem Chinesischen Meer.

Ich werde langsam tröge. Ich muss aufpassen, dass ich nicht einschlafe und vom Pferd falle.

Von wegen einschlafen … Adrenalin pur!

Wieder ein Ortsschild … Ea Kar … ich bin mal gespannt, wo ungefähr das liegt.

Endlich gibt es etwas zu essen und zwar unheimlich gut. Huhn mit Lemongras?

Die jüngere der beiden Damen fotografiert uns ununterbrochen mit einer Spielzeugkamera.

Max und Neo geben uns Nachhilfe, wie das Fleisch in Reispapier und dieses wiederum in Senfblätter eingelegt wird, um es anschliessend in eine der Saucen zu dippen.

Es sind mindestens fünf verschiedene Saucen in den grünen Schalen. Vorne das Hühnerfleisch in Limettensaft und eine Kanne Saft.

… und Bier und Coke und Reisfladen und Saucen und Gemüse … mmmmmmmmmmmmm ist das gut!!!

Und unter dem Tisch liegt ein glücklicher Hund.

Dann geht es weiter. Auf ins Schlachtgetümmel. Es kommt mir vor wie im Wilden Westen.

Cowboys, Rinder und Planwagen. Ich bin gespannt, wohin wir eigentlich fahren. Das nächste Mal, wenn ich verreise,kaufe ich mir vorher wenigstens eine Landkarte.

Dann wird die Straße schlechter. Wir fahren an einer Garküche vorbei. Am Sonnenschirm hängt ein gehäuteter Hund.

Schließlich biegen wir ab und machen eine Pause, mit Spaziergang durch eine Kaffeeplantage.

Ich hatte mich erkundigen wollen, warum die Erde hier und in Brasilien rot ist. Ich weiss es immer noch nicht.

Auf dem Weiterweg sehen wir wieder eine “Aktion Sicherer Schulweg”, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Zu Fuß oder per Fahrrad zwischen Tonnenschweren Ifa-LKWs “Made in DDR”.

Dann eine Staubpiste. Ich wünsche mir ein Halstuch herbei, das ich mir im Stile eines Banküberfalls vor den Mund binden kann.

Dazwischen hie und da ein paar glücklich verklärte Kinder des Kommunismus, aber es geht eigentlich.

Ich lasse halten, gehe ein Stück zurück und schiesse dieses Foto. Ist das nicht schön?

Zurück zum Moped geht es durch den Staub.

Per pedes! Dann erreichen wir ein Ferienresort bei Đắk Lắk, wo es unendlich viele Insekten x-beliebiger Größe gibt, die einen ungeheuren Krach im Dunkeln machen. Ich bin müde. Kurz etwas essen (wobei Max und Neo gerne unter ihresgleichen speisen möchten), ein Bier oder zwei und ab ins Bett.

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