Herbst in Andalusien

Die Reise beginnt mit der Erkenntnis, dass ein Zug um 5:30 morgens den Tag sehr in die Länge zieht..

Erstaunlicherweise ist mein Sohn willens, mich noch vor 8:00 Uhr auf dem Bahnhof von Ulm zu treffen, um ein bisschen Fotoequipment auszuleihen.

Es wirkt sehr herbstlich dort draußen und ich bin froh, meinen Mantel mitgenommen zu haben.

Eigentlich wollte ich weniger fliegen, aber Sevilla ist kompliziert zu erreichen.

Auf dem Flughafen werden die ankommenden Passagiere durch stundenlange Warteschlangen geschlängelt, um sicherzustellen, dass jeder jedem mindestens 10x begegnet und alle ein gerechtes Ansteckungsrisiko teilen.

Mantel? Ich hätte lieber eine Badehose mitnehmen sollen.

Von Sevilla sehe ich dieses Mal nicht viel: Ein Bier, ein Lomo und etwas Queso.

Und anderntags ein Schnitzel auf einer kalten Schieferplatte zum Touripreis. Ich bin beeindruckt.

Diesmal bin ich froh wieder zu entfleuchen auf der abendlichen Autobahn nach Antequera.

Ich beziehe mein Hotel und spaziere durch die Nacht. Der Pfeil weist zum Mittelpunkt der Erde (Jules Verne).

Das Städtchen ist wirklich sehr hübsch.

Ich habe vergessen nachzusehen, wer hier dichtete und dachte.

Schon wieder muss ich wählen … Salat? Nieren? Bienmesabe?

Ich beginne also mit dem Salat, wie mir aufgetragen wurde.

Und eine Portion (nein, um Gottes Willen eine halbe reicht, sagte der Ober glücklicherweise) Nieren – gulp … aber Ober ist so nett, dass ich mich nicht getraue ihn zu enttäuschen. Schmeckt anstrengend, aber die öligen Fritten schmecken noch anstrengender.

Um den Geschmack loszuwerden, lasse ich mich auf eine Mandelcreme ein, die eine lokale Spezialität sein soll – und wirklich sehr delikat schmeckt.

Anschließend wäre ein Schnaps gut, aber ich nehme (warum eigentlich?) stattdessen einen Espresso.

Nach dem Essen hoffe ich, dass mir Christus nicht auch noch diese Leiden abnehmen muss.

Die geschnitzten Skulpturen in der Kirche sind übrigens sehenswert.

Ich staune und vergesse mein Magenzwicken.

Auch der Blick aus dem Hotelfenster ist irgendwie versöhnlich.

Morgens breche ich spät auf und vertrödle etwas Zeit beim Frühstück.

Dies rächt sich später, bei einem nun gezwungenermaßen ziemlich kurzen Spaziergang durch El Torcal.

Dort sehe ich meine ersten Steinböcke in freier Wildbahn.

Aber ich habe das Gefühl in der Eile ziemlich viel hier zu verpassen.

Eine wirklich durchwandernswerte Felsformation.

Manchmal wäre ein Blick in den Reiseführer intelligent und nicht spießig.

Immerhin treffe ich einen neuen Ahorn – das ist doch was. Der Acer monspessulanum aus der Familie der Seifenbaumgewächse heißt auf deutsch “Französischer Ahorn”.

Er wächst aber in Spanien.

Dann fliege ich nach München und verirre mich auf dem Heimweg im Nebel. Inzwischen bin ich aber angekommen.

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